Klageabweisung Filesharing: Amtsgericht Bielefeld, Urteil vom 02.04.2015, Az. 42 C 552/14 “Niko – Ein Rentier hebt ab”. Schadensersatzansprüche verjähren nach 3 Jahren.

23. April 2015

 

00:15 Uhr

Wie die Berliner Kanzlei …

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Sievers & Coll. Rechtsanwälte
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14052 Berlin
Tel.: 030 – 323 01 590
Fax: 030 – 323 01 5911
E-Mail: mail@recht-hat.de
Web: www.recht-hat.de

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… informiert, hat das Amtsgericht Bielefeld (Urt. v. 02.04.2015, Az. 42 C 552/14) eine Klage der "Europool Europäische Medienbeteiligungs-GmbH", vertreten durch die Rechtsanwälte "BaumgartenBrandt", wegen angeblichen Filesharings des Films "Niko – ein Rentier hebt ab" abgewiesen. Die Kanzlei "Sievers & Coll. Rechtsanwälte" hat den Beklagten in diesem Rechtsstreit erfolgreich vertreten.

 

Abmahnfall

- Abmahnung 2010 (Log.: 2009, Pauschalbetrag 850,00 EUR)
- Ende 2013 Mahnbescheid
- 12/2014 Anspruchsbegründung (= Klageschrift nach Mahnbescheid; 400,00 EUR für
- Schadensersatz und 555,60 EUR für vorgerichtliche Anwaltskosten (Abmahnkosten))

 

Antrag

Der Beklagte beantragt,
- die Klage abzuweisen.

Der Beklagte hatte die Rechtsverletzung nicht selbst begangen. Seinen Internetanschluss konnten zudem auch seine Ehefrau und sein volljähriger Sohn nutzen. Wir haben für ihn die Einrede der Verjährung im Prozess erhoben.

 

Urteil
 

(…) hat das Amtsgericht Bielefeld auf die mündliche Verhandlung vom 02.04.2015 durch den Richter am Amtsgericht "xxx" für Recht erkannt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Klägerin hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.
3. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. (…)

 

Entscheidungsgründe

Das AG Bielefeld schloss sich der von der Kanzlei "Sievers & Coll. Rechtsanwälte" vertretenen Rechtsauffassungen vollumfänglich an und hat die Klage mit einer sehr ausführlichen Urteilsbegründung abgewiesen.

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AG Bielefeld, Urteil vom 02.04.2015, Az. 42 C 552/14
Urteil im Volltext (5,19 MB)

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Wie Rechtsanwalt Florian Sievers berichtet, ist "insgesamt das Urteil sehr zu begrüßen. Das Gericht hat mit der sehr ausführlichen Urteilsbegründung auf 14 Seiten zu allen Argumenten, die immer wieder in Filesharingprozessen aufkommen, Stellung genommen und die Rechtsprechung des BGH konsequent umgesetzt."

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Quelle Original Bericht:  www.recht-hat.de
Link:
http://www.recht-hat.de/urheberrecht/ag-bielfeld-weist-filesharingklage-ab/

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AW3P Nach(t)gedanken

 

Folgende Gerichte haben bislang entschieden, dass der Schadensersatzanspruch in Filesharing Fällen nach drei Jahren verjährt:

AG Bielefeld (Urteil vom 06.03.2014 – Az. 42 C 368/13),
AG Düsseldorf (Urteil vom 24.07.2014 – Az. 57 C 15659/13),
AG Kassel (Urteil vom 24.07.2014 – Az. 410 C 625/14),
AG Frankfurt am Main (Urteil vom 30.10.2014 – Az. 32 C 2305/14 (84),
AG Bielefeld (Urteil vom 20.11.2014 – Az. 42 C 483/14),
AG Bielefeld (Urteil vom 08.01.2015 – Az.42 C 481/14),
AG Hannover (Urteil vom 09.01.2015 – Az. 424 C 7759/14)
AG Düsseldorf (Urteil vom 13.01.2015 – Az. 57 C 7592/14,
AG Frankenthal (Urteil vom 14.01.2015 – Az. 3c C 96/14),
AG Koblenz (Urteil vom 21.01.2015 – Az. 142 C 486/14),
AG Bielefeld (Urteil vom 22.01.2015 – Az. 42 C 230/14),
AG Frankenthal (Urteil vom 02.02.2015 – Az. 3b C 169/14),
AG Nürtingen (Urteil vom 06.02.2015 – Az. 17 C 1378/14),
AG Charlottenburg (Urteil vom 18.02.2015 – Az. 213 C 118/14),
AG Köln (Urteil vom 19.02.2015 – Az. 148 C 31/14),
AG Bochum (Urteil vom 25.02.2015 – Az. 38 C 362/14),
AG Bielefeld (Urteil vom 02.04.2015 – Az. 42 C 552/14),
AG Bielefeld (Urteil vom 02.04.2015 – Az. 42 C 544/14),
AG Köln (Urteil vom 13.04.2015 – Az. 125 C 579/14).

 

Fazit AW3P

Dieser Fall ist ein gutes Beispiel dafür, warum es sich immer lohnt, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und die aktive Hilfe der Foren zu meiden, egal was man auch verspricht.

Mit Erhalt einer Anspruchsbegründung bzw. Verfügung eines Amtsgerichtes zur Durchführung eines schriftlichen Vorverfahren – muss – die aktive Forenhilfe aufhören und die Beauftragung eines Anwaltes unbedingt erfolgen.

Ganz zu schweigen, dass die immer anonym behaupteten "Erfolge" des einzigen aktiven Klagehilfeforums der Fanta3 bewusst nicht verifiziert werden. Dabei gibt es keine Ausflüchte und man kann, wenn man denn nur wollte, die ersten beiden Seiten der jeweiligen Urteile veröffentlichen, wo ersichtlich ist, dass einer der Fanta3 Prozessbevollmächtigter des Beklagten ist. Glaubt denn nur einer, das ein Fred-Olaf Neiße (uhle), eine Claudia Reinhardt (princess15114) oder ein Ingo Bentz (Shual) haben irgendetwas gerichtlich – allein – gerissen?

Selbst Anwälte in ihren Veröffentlichungen oder auf meiner Nachfrage hin, bestätigen – keinerlei – Zusammenarbeit in Klageverfahren mit der Fanta3. Für mich persönlich wäre es auch – sehr befremdlich -, wenn ein Anwalt auf Hilfe von Nichtjuristen angewiesen wäre.

Es bleibt letztendlich übrig, dass die Fanta3 Hilfesuchende nur an die eigenen "Haus- und Hofanwälte" weitervermittelt.

Nicht mehr, nicht weniger.

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Steffen Heintsch für AW3P
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WBS-LAW: Das Amtsgericht Köln bestätigt die dreijährige Verjährungsfrist hinsichtlich des Schadensersatze und verneint die Zehnjährige

20. April 2015

 

23:06 Uhr

 

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Rechtsanwalt Christian Solmecke
Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE
Lehrbeauftragter der FH Köln für Social Media Recht

 

WILDE BEUGER SOLMECKE Rechtsanwälte GbR
Kaiser-Wilhelm-Ring 27-29 | 50672 Köln
Tel.: 0221 / 951 563 0 | Fax: 0221 / 400 675 52
E-Mail: info@wbs-law.de | Web: www.wbs-law.de

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Die Rechtsanwälte "BaumgartenBrandt" mahnten im Namen der "Europool Europäische Medienbeteiligung Gmb" ein Ehepaar für den vermeintlichen Tausch des Films "Niko – Ein Rentier hebt ab". Die Firma "Guardaley Ltd. " soll die illegale Verbreitung in einer Filesharing Börse ermittelt haben. Das Amtsgericht Köln (AG) wies die Klage wegen verjährter Forderung ab (Urt. v. 13.04.2015, Az. 125 C 579/14).

Die Rechteinhaber verlangten die Zahlung von mindestens 400 Euro Schadensersatz und Zahlung von Abmahngebühren in Höhe von 555,60 Euro.

Zum vermeintlichen Tatzeitpunkt hatten auch die beiden Kinder des Ehepaares selbständigen Zugriff auf den Anschluss. Zudem bestand lange Zeit eine Sicherheitslücke hinsichtlich des Internetanschlusses. Dies hat die Telekom der Familie mitgeteilt. Es hätte sich somit ohne weiteres ein Dritter in das Netz einloggen können. Diese Faktoren hat das Gericht jedoch nicht mit in seine Entscheidung einbezogen, sondern die Klage bereits aufgrund der eingetretenen Verjährung der Ansprüche abgewiesen.

 

Filesharer erlangt nichts durch den Upload

Dabei ging der Richter von der regelmäßigen Verjährungsfrist von drei Jahren aus. Die Verlängerung der Verjährung auf zehn Jahre, die gem. §102 UrhG, 852 BGB möglich ist, hält das Gericht richtigerweise im Falle von Filesharing für unzulässig. Die Verlängerung der Verjährung nach diesen Normen setzt voraus, dass der Urheberrechtsverletzer "auf Kosten des Berechtigten" etwas erlangt hat. Ein Filesharer erhalte jedoch durch den Upload eines Werkes, der ursächlich ist für die Rechtsverfolgung, nichts, so das Gericht. Der Upload sei lediglich ein Reflex des Downloads, der von demjenigen, der sich technisch auskennt, auch unterbunden werden kann.

 

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Hier das Urteil im Volltext:
AG Köln, Urteil vom 13.04.2015, Az. 125 C 579/14

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Die Verjährung bei Abmahnungen

Die Verjährung bei Abmahnungen, sowohl in Bezug auf die Rechtsanwaltsgebühren als auch in Bezug auf die Schadensersatzforderungen, tritt nach drei Jahren ein. Das bedeutet, dass jedenfalls Abmahnungen, die im Jahre 2010 zugestellt wurden, verjährt sind. Abgemahnte sollten sich nicht von einer häufig in den Schreiben aufgeführten Mindermeinung verunsichern lassen, die von einer Verjährungsfrist von 10 Jahren ausgeht.

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Autor: Rechtsanwalt Christian Solmecke
Quelle: www.wbs-law.de
Link:
https://www.wbs-law.de/abmahnung-filesharing/filesharing-ag-koeln-bestaetigt-dreijaehrige-verjaehrungsfrist-60306/

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AW3P Nach(t)gedanken

Folgende Gerichte gaben bislang entschieden, das der Schadensersatz in Filesharing Fällen auch nach drei Jahren verjähren

• AG Bielefeld (Urteil vom 06.03.2014 – Az. 42 C 368/13),
• AG Düsseldorf (Urteil vom 24.07.2014 – Az. 57 C 15659/13),
• AG Kassel (Urteil vom 24.07.2014 – Az. 410 C 625/14),
• AG Frankfurt am Main (Urteil vom 30.10.2014 – Az. 32 C 2305/14 (84),
• AG Bielefeld (Urteil vom 20.11.2014 – Az. 42 C 483/14),
• AG Bielefeld (Urteil vom 08.01.2015 – Az.42 C 481/14),
• AG Hannover (Urteil vom 09.01.2015 – Az. 424 C 7759/14)
• AG Düsseldorf (Urteil vom 13.01.2015 – Az. 57 C 7592/14,
• AG Frankenthal (Urteil vom 14.01.2015 – Az. 3c C 96/14),
• AG Koblenz (Urteil vom 21.01.2015 – Az. 142 C 486/14),
• AG Bielefeld (Urteil vom 22.01.2015 – Az. 42 C 230/14),
• AG Frankenthal (Urteil vom 02.02.2015 – Az. 3b C 169/14),
• AG Nürtingen (Urteil vom 06.02.2015 – Az. 17 C 1378/14),
• AG Charlottenburg (Urteil vom 18.02.2015 – Az. 213 C 118/14),
• AG Köln (Urteil vom 19.02.2015 – Az. 148 C 31/14),
• AG Bochum (Urteil vom 25.02.2015 – Az. 38 C 362/14),
• AG Bielefeld (Urteil vom 02.04.2015 – Az. 42 C 544/14),
• AG Köln (Urteil vom 13.04.2015 – Az. 125 C 579/14).

 

Fazit AW3P

Dieser Fall ist erneut ein sehr gutes Beispiel dafür, warum es sich immer lohnt, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und die Hilfe der Foren zu meiden.

Mit Erhalt einer Anspruchsbegründung bzw. Verfügung eines Amtsgerichtes zur Durchführung eines schriftlichen Vorverfahren muss eine aktive Forenhilfe aufhören und die Beauftragung eines Anwaltes unbedingt erfolgen. Ganz zu schweigen, dass die immer anonym behaupteten "Erfolge", zum Beispiel der "Fanta3" (Neiße, Reinhardt und Bentz), bewusst nicht verifiziert werden und nur darin münden, dass die Fanta3 – selbst ohne prozessuale Erfolge – Hilfesuchende nur an die eigenen "Haus- und Hofanwälte" weitervermitteln – ein Schelm, der jetzt etwas Falsches denkt – und von deren Seite aus bislang öffentlich keinerlei "Teamarbeit" bestätigt wurde, und auch nicht wird. Warum nicht? Weil es diese höchstwahrscheinlich nicht gibt!

 
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Steffen Heintsch für AW3P

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Amtsgericht Bielefeld: Klageabweisung gegen “BaumgartenBrandt.” Schadensersatz bei Filesharing verjährt in drei und nicht erst in zehn Jahren.

18. April 2015

 

18:06 Uhr

Wie die Hamburger Kanzlei …

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Rechtsanwalt Dr. Alexander Wachs

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… informiert, wurde mit dem Urteil des Amtsgerichtes Bielefeld (Urt. v. 02.04.2015, Az. 42 C 544/14) eine Filesharing Klage der "Europool Europäische Medienbeteiligungs-GmbH", vertreten durch die Berliner Kanzlei "BaumgartenBrandt", erfolgreich abgewiesen, da die geltend gemachten Forderungen verjährt sind und eine mögliche Verjährungshemmung durch einen nicht den Anforderungen genügenden Mahnbescheid nicht vorlagen.

 

Abmahnfall

Der Beklagte wurde 03/2010 wegen einer vermeintlichen Verwertung des Filmes "Niko – Ein Rentier hebt ab" (Log: 12/2009; Pauschalbetrag: 850,00 EUR) abgemahnt. Der Beklagte gab eine mod. UE ab, verweigerte aber die Zahlung der Forderungen aus der Abmahnung.

 

Antrag

Der Beklagte beantragt,
→ die Klage abzuweisen.

Der Beklagte erhebt die Einrede der Verjährung, bestreitet die Aktivlegitimation der Klägerin und stellt die Zuverlässigkeit der Logfirma in Abrede. Über die Weihnachtsfeiertage 2009 waren die Schwester und deren Ehemann zu Besuch und hatten allesamt Zugang zum Internet. Auf Nachfrage des Beklagten wurde die behauptete Rechtsverletzung bestritten. Nach einem zugestellten Mahnbescheid (11/2013) und fristgemäß eingelegten Widerspruch wurde nach Abgabenachricht (07/2014) und Anspruchsbegründung (09/2014) diese 10/2014 dem Beklagten zugestellt.

 

Urteil
 

(…) hat das Amtsgericht Bielefeld auf die mündliche Verhandlung vom 02.04.2015 durch die Richterin am Amtsgericht "xxx" für Recht erkannt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Klägerin hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.
3. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. (…)

 

Entscheidungsgründe

Die Klage ist zulässig aber nicht begründet. Etwaige Forderungen der Klägerin sind verjährt. Das gilt sowohl für den Schadensersatzanspruch wie auch für den Anspruch auf Ersatz von Abmahnkosten.

 

Das Amtsgericht Bielefeld zur Verjährung
 

(…) Die Verjährungsfrist beträgt drei Jahre. Die dreijährige Verjährungsfrist gilt auch für den Schadensersatzanspruch. (…)

(…) Die Voraussetzungen einer 10-jährigen Verjährungsfrist gemäß §§ 102 Satz 2 UrhG, 852 BGB liegen nicht vor. Nach diesen Vorschriften unterliegen diejenigen Ansprüche einer längeren Verjährung als drei Jahre, die auf die Herausgabe deliktisch Erlangten zielen. Dies kann die ersparte Lizenzgebühr sein. Für den Fall, dass ein legaler Erwerb durch Zahlung von Lizenzgebühren mögliche ist, hat der BGH diesen Fall bereits entschieden ("Bochumer Weihnachtsmarkt", BGH, Urteil vom 27.10.2011, I ZR 175/10, BeckRS 2012, 09457). (…)

(…) Filesharing-Fälle unterscheiden sich jedoch davon grundlegend. Es besteht keine Möglichkeit, einen entsprechenden Lizenzvertrag abzuschließen. (…)

(…) Der Beklagte hat mithin gerade keine Lizenzgebühr für einen möglichen Lizenzvertrag gespart. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass es Benutzern von Filesharing-Systemen darauf ankommt, die fragliche Datei zum eigenen Gebrauch für sich herunterzuladen und zu nutzen. Dass damit notwendigerweise auch verbunden ist, das während des eigenen Uploadvorganges gleichzeitig Dritten ein Download der übertragenen Dateifragmente vom eigenen Computer ermöglicht wird, ist eine notwendige Folge, die die Nutzer der Filesharingbörsen billigend in Kauf nehmen. Insoweit liegt jedoch gerade kein bewusster Eingriff in den Zuweisungsgehalt der von der Klägerin wahrgenommenen Rechte vor. (…)

 

Das Amtsgericht Bielefeld zur fehlenden Hemmung der Verjährung durch nicht individualisierte Fordrungen im Mahnbescheid
 

(…) Zwar erfolgte die Zustellung in unverjährter Zeit, jedoch genügte der Mahnbescheid nicht den Anforderungen, die an einen Bescheid mit verjährungshemmender Wirkung zu stellen ist. (…)

(…) Der Bescheid muss den geltend gemachten Anspruch bezeichnen (§ 690 Abs. 1 Nr. 3 ZPO). Wird eine Mehrheit von Forderungen geltend gemacht, so muss jeder einzelne von ihnen individualisiert werden (BGH NJW 2001, 305). (…) Der Abgemahnte muss im Mahnverfahren beurteilen können, ob er sich gegen die Forderung zur Wehr setzen will (ganz oder teilweise) oder nicht (BGH NJW 2013, 3509). (…)

(…) Die mit der Hauptforderung vom 24.09.2014 erfolgte Individualisierung der klägerischen Ansprüche erfolgte erst nach bereits eingetretener Verjährung. Sie entfaltet lediglich Wirkung ex nunc, nicht ex tunc (BGH NJW 2009, 56). (…)

 

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AG Bielefeld, Urteil vom 02.04.2015, Az. 42 C 544/14:
Urteil im Volltext als PDF-Dokument (3,09 MB)

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Begriffserklärungen

ex nunc: von jetzt an
ex tunc: von damals an

 

Folgende Gerichte ermessen, das der Schadensersatz auch nach drei Jahren verjähren

AG Bielefeld (Urteil vom 06.03.2014 – Az. 42 C 368/13),
AG Düsseldorf (Urteil vom 24.07.2014 – Az. 57 C 15659/13),
AG Kassel (Urteil vom 24.07.2014 – Az. 410 C 625/14),
AG Frankfurt am Main (Urteil vom 30.10.2014 – Az. 32 C 2305/14 (84),
AG Bielefeld (Urteil vom 20.11.2014 – Az. 42 C 483/14),
AG Bielefeld (Urteil vom 08.01.2015 – Az.42 C 481/14),
AG Hannover (Urteil vom 09.01.2015 – Az. 424 C 7759/14)
AG Düsseldorf (Urteil vom 13.01.2015 – Az. 57 C 7592/14,
AG Frankenthal (Urteil vom 14.01.2015 – Az. 3c C 96/14),
AG Koblenz (Urteil vom 21.01.2015 – Az. 142 C 486/14),
AG Bielefeld (Urteil vom 22.01.2015 – Az. 42 C 230/14),
AG Frankenthal (Urteil vom 02.02.2015 – Az. 3b C 169/14),
AG Nürtingen (Urteil vom 06.02.2015 – Az. 17 C 1378/14),
AG Charlottenburg (Urteil vom 18.02.2015 – Az. 213 C 118/14),
AG Köln (Urteil vom 19.02.2015 – Az. 148 C 31/14),
AG Bochum (Urteil vom 25.02.2015 – Az. 38 C 362/14),
AG Bielefeld (Urteil vom 02.04.2015 – Az. 42 C 544/14).

 

Fazit

Dieser Fall ist ein gutes Beispiel dafür, warum es sich lohnt, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Mit Erhalt einer Anspruchsbegründung bzw. Verfügung eines Amtsgerichtes zur Durchführung eines schriftlichen Vorverfahren muss eine aktive Forenhilfe aufhören und die Beauftragung eines Anwaltes unbedingt erfolgen. Ganz zu schweigen, dass die stetig behaupteten "Erfolge", zum Beispiel der "Fanta3" (Neiße, Reinhardt und Bentz) nicht verifiziert werden und nur darin münden, dass man – selbst ohne prozessuale Erfolge – Hilfesuchende nur an die eigenen Haus- und Hofanwälte weitervermittelt – ein Schelm, der jetzt etwas Falsches denkt – und von deren Seite aus bislang – öffentlich – keinerlei Teamarbeit bestätigt wurde und auch nicht wird.

 

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Steffen Heintsch für AW3P

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Amtsgericht Hannover: vollumfängliche Klageabweisung gegen “BaumgartenBrandt”. Niko – Ein Rentier bleibt erneut auf dem Boden der Tatsachen.

16. April 2015

 

17:29 Uhr

Wie die Hamburger Kanzlei …

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Rechtsanwalt Dr. Alexander Wachs

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… informiert, wurde mit dem Urteil des Amtsgerichtes Hannover (Urt. v. 18.03.2015, Az. 550 C 7718/14) eine Filesharing Klage der "Europool Europäische Medienbeteiligungs-GmbH, vertreten durch die Berliner Kanzlei "BaumgartenBrandt", erfolgreich abgewiesen.

 

Abmahnfall

Der Beklagte wurde 03/201 wegen einer vermeintlichen Verwertung des Filmes "Niko – Ein Rentier hebt ab" (Log: 11/2009; Pauschalbetrag: 850,00 EUR) abgemahnt. Der Beklagte gab eine mod. UE ab, verweigerte aber die Zahlung der Forderungen aus der Abmahnung.

 

Antrag

Der Beklagte beantragt,
• die Klage abzuweisen.

Der Beklagte bestreitet, den Film aus einem P2P-Netzwerk bezogen zu haben. Weder er noch seine Lebensgefährtin, die ebenfalls Zugang zum Internetanschluss hatte, hätten den streitgegenständlichen Film zum Herunterladen im Internet bereitgestellt. Der Beklagte hat sich mit seiner Lebensgefährtin zum Zeitpunkt der behaupteten Urheberrechtsverletzung außerhalb Deutschland aufgehalten. Die Lebensgefährtin ist – unstreitig – seit 2002 unter der Adresse des Beklagten gemeldet.

 

Urteil
 

(…) hat das Amtsgericht Hannover auf die mündliche Verhandlung vom 26.02.2015 durch die Richterin am Amtsgericht "xxx"  für Recht erkannt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Klägerin hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.
3. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. (…)

 

Entscheidungsgründe

Die Klage ist zulässig aber unbegründet. Der Beklagte haftet weder als Täter oder Teilnehmer noch unter dem Gesichtspunkt einer Störerhaftung. Das Amtsgericht wendet hier folgerichtig und konsequent die aktuelle Rechtssprechung des Bundesgerichtshofes an.

 

Amtsgericht Hannover:
 

(…) Leben zwei Personen in einem Haushalt spricht die Lebenserfahrung dafür, dass beide Personen denselben Internetanschluss nutzen. Vergleichbar mit einem Telefonanschluss wird für einen Haushalt lediglich ein Vertrag abgeschlossen, die Nutzung erfolgt durch alle Mitbewohner. Insoweit reicht das einfache Bestreiten der Klägerin nicht aus. Gründe für die Annahme, dass die im gleichen Haushalt lebende Lebensgefährtin ausnahmsweise keinen Zugang haben solle, trägt die Klägerin nicht vor. Damit besteht die ernsthafte Möglichkeit, dass die Lebensgefährtin des Beklagten den Film zum Herunterladen im Internet bereitgestellt hat. (…)

 

(…) Selbst wenn man unterstellen würde, die langjährige Lebensgefährtin des Beklagten habe den Film zum Herunterladen ins Internet gestellt, bestünde keine solche Prüf- oder Kontrollpflicht des Beklagten dieser gegenüber. (…)

 

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AG Hannover, Urteil vom 18.03.2015, Az. 550 C 7718/14:
Urteil im Volltext als PDF-Dokument (2,57 MB)

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Steffen Heintsch für AW3P

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WBS-LAW: PC zu alt für Filesharing – Klage abgewiesen (AG Leipzig, Urteil vom 07.04.2015, Az. 114 C 6702/14)

15. April 2015

 

15:26 Uhr

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Rechtsanwalt Christian Solmecke

WILDE BEUGER SOLMECKE Rechtsanwälte GbR
Kaiser-Wilhelm-Ring 27-29 | 50672 Köln
Tel.: 0221 / 951 563 0 | Fax: 0221 / 400 675 52
E-Mail: info@wbs-law.de | Web: www.wbs-law.de

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Die "rka. Rechtsanwälte Reichelt Klute" mahnten im Namen der "CD Projekt S.A" unseren Mandanten wegen des angeblichen Tauschs des Computerspiels "The Witcher 2 – Assassins of Kings" in einer Internettauschbörse ab. Die Kläger haben die beanstandete Urheberrechtsverletzung mittels der Firma "Logistep" ermittelt. Sie verlangen die Zahlung von 400 Euro Schadensersatz und 500 Euro für die Anwaltskosten.

 

Sohn hat ebenfalls Zugriff auf den Anschluss

Zum Zeitpunkt der vermeintlichen Rechtsverletzung hatte auch der volljährige Sohn unseres Mandanten Zugriff auf den Internetanschluss. Der Router stand standardmäßig im Zimmer des Sohnes. Unser Mandant spielt selbst keine Computerspiele, bis auf Ausnahme des Spieles "Solitär", das jedoch auf dem PC vorinstalliert war. Dies konnte der Sohn, der als Zeuge geladen war, auch bestätigen. Zudem ist der PC unseres Mandanten nachweislich so alt gewesen, dass das streitgegenständliche Spiel hier gar nicht auf diesem PC hätte abgespielt werden können.

 

Gesamtumstände führen zur Abweisung der Klage

Das Amtsgericht Leipzig hat die Klage mit Urteil vom 07.04.2015 (Az. 114 C 6702/14) abgewiesen. Als Begründung führte das Gericht an, dass unser Mandant hier durch die oben geschilderten Umstände, seiner sekundären Darlegungslast genüge getan haben und somit seine Täterschaft erst einmal widerlegen konnte. Da die Gegenseite keine weiteren Beweise für eine Täterschaft unseres Mandanten vorbringen konnte, hat das Gericht eine Rechtsverletzung nach dem Urheberrechtsgesetz verneint und die Klage abgewiesen.

 

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Hier das Urteil im Volltext:
AG Leipzig, Urteil vom 07.04.2015, Az. 114 C 6702/14

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Autor: Rechtsanwalt Christian Solmecke
Quelle: www.wbs-law.de
Link:
https://www.wbs-law.de/abmahnung-filesharing/pc-zu-alt-fuer-filesharing-klage-abgewiesen-60267/

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